Kommunalwahl: Corona: Schule & Kultur #WirFragenNach

Zur Kommunalwahl haben wir alle zur Wahl antretenden Parteien angeschrieben. Auch zu Maßnahmen während Corona für Schule und Kultur:

Welche konkreten Maßnahmen verfolgt Ihre Partei um Schule und Kultur auch in Corona-Zeiten besser zu schützen und zu unterstützen?

Gigg:

Mehr Räume für Kultur und Schulen

Die freie Kulturszene braucht mehr kommunale Unterstützung, da sie sich in Gießen quasi selbst trägt und durch die Coronakrise empfindlich getroffen wurde. Das Projekt „Alte Feuerwache“ muss Priorität bekommen, zügig und vollständig umgesetzt werden, damit Raum für Werkstätten, Studio, Gastronomie, Freiflächen, Veranstaltungsräume für Musik und Kunst) inklusive Umnutzung der Fahrzeughalle als Veranstaltungsfläche entsteht – als einzelner, und keinesfalls abschließender Baustein zur Deckung des Bedarfs nach Arbeits- und Aufführungsorten der freien Künstler. Der Arbeitskreis Interessensvertretung der Freien Kulturszene Gießen muss dabei auf Augenhöhe in die Planungen integriert werden. 

Gießen braucht mehr Räume für Kultur. Räume für Kultur werden in einer sich verdichtenden Stadt knapper und knapper. Die Kultur zieht gegenüber kommerziellen Interessen und anderen Grundbedürfnissen wie Wohnen in aller Regel den Kürzeren. Daher braucht es dringend energische und konkrete Maßnahmen, um Gießen als Standort für (junge) Kultur zu erhalten und zu stärken. Dabei ist es eine Verpflichtung der Stadt Gießen, die kulturellen Interessen ihrer Bevölkerung verstärkt gegenüber rein ökonomischen Interessen in Schutz zu nehmen. Dafür müssen verbindliche Mechanismen eingeführt werden, die das Mitwachsen der kulturellen Infrastruktur mit einer steigenden Bevölkerungszahl stadtplanerisch garantieren. Dies ist notwendig, um zu verhindern, dass aktuelle Bedarfe mit einem einmaligen Angebotsausbau als für alle Zeiten gedeckt angesehen werden, auch wenn die Stadt wächst. 

Die Grünen:

Einen Kulturbeirat schaffen

Wir lieben das vielfältige, qualitätsvolle, lebendig, weltoffene und dynamische Kulturleben in Gießen. Das Stadttheater, die GIENNALE, das AK44, das Stadt ohne Meer Festival, aber auch Veranstaltungen wie der WG-Flohmarkt oder die Nachttanzdemo – die Liste grandioser Gießener Kulturort und -veranstaltungen ist endlos lang. Daher ist es unser Ziel diese Vielfalt zu erhalten und die kulturellen Akteur*innen weiterhin zu stärken.

Damit die Belange der Kulturschaffenden in Gießen in der Stadtpolitik die Beachtung bekommen, die sie verdienen, wollen wir einen Kulturbeirat schaffen, der die Stadtverordnetenversammlung berät. Außerdem wollen wir durch die Einrichtung eines Kulturgewerbehofs in der Alten Feuerwehr mehr Räume für Kunst und Kultur schaffen. Um ein aktives Nachtleben in Gießen zu erhalten, wollen wir ein:e Nachtbürgermeister:in benennen und Parties unter freiem Himmel ermöglichen.

Sehr wichtig ist uns außerdem, dass Kultur von und für Menschen allen Alters und unabhängig von Behinderungen oder Einschränkungen gemacht und erlebt werden kann.

Um Kulturschaffenden auch während der Covid-19 Pandemie Auftritte unter hygienisch sicheren Bedingungen zu ermöglichen, unterstützen wir das Konzept der „Kreidekreise“ der Initiator:innen der Nachttanzdemo.

Wir wollen, dass Kinder und Jugendliche in Gießen gerne zur Schule gehen, dort niemand zurückgelassen wird und alle unabhängig von Hintergrund, Leistungsstand und Einschränkung gemeinsam lernen. Daher möchten wir die Ganztagsangebote ausbauen, die Inklusion vorantreiben, Schulsozialarbeit ausweiten, sowie eine Willkommenskultur für geflüchtete Kinder und Jugendliche fördern.

Wir finden: Auf unbequemen Stühlen, in veralteten Gebäuden und auf tristen Schulhöfen lernt es sich nicht gut. Daher wollen wir auch weiterhin massiv in die Schulen investieren. Dabei ist es uns besonders wichtig, dass schon bei den Planungen pädagogische Konzepte und Nachhaltigkeit mitgedacht werden.

Wichtig ist uns außerdem eine gesunde, vielfältige und möglichst ökologische Schulverpflegung mit einem breiten veganen und vegetarischen Angebot, das neben Mittagessen auch Frühstück und Getränke bereitstellt.

Während Corona haben wir noch einmal deutlich gesehen, wie wichtig es ist, die Digitalisierung an den Schulen voranzutreiben. Aber auch, wie wichtig das gemeinsame Lernen vor Ort ist. Wir wollen daher, dass die Stadt Gießen alle notwendigen Maßnahmen ergreift, um Präsenzunterricht oberste Priorität einzuräumen.

SPD:

Engagement fortsetzten

Bereits im letzten Jahr sind schon viele Maßnahmen erfolgt. Um einige Beispiele zu nennen: Schulen wurden mit Schutzmaßnahmen ausgestattet bspw. es wurden in einigen Bereichen, in denen nicht richtig gelüftet werden kann, mobile Luftfilter aufgestellt. Wir haben die Gelder des Bundes und des Landes, mit denen mobile Endgeräte für bedürftige Schüler:innen angeschafft werden konnten, zügig verausgabt und über 2000 Tablets zur Verteilung an die Schulen gegeben. Wir haben in Jugend- und Gemeinwesenzentren Räume für digitales Arbeiten ausgestattet, in denen Jugendliche unter Begleitung von studentischen Honorarkräften arbeiten können, die zuhause keine IT-Infrastruktur haben. Nach den Herbstferien wurden die Stadtbusse auf einigen Linien vor Schulbeginn und nach Schulende verstärkt.

Im Bereich der Kultur wurden Gelder zur Verfügung gestellt, um Vereinen und Kulturschaffenden zu helfen. Das Kulturamt ist sehr engagiert, hier zu unterstützen und ist auch bei der Entwicklung von digitalen Formaten der künstlerischen Präsentation beteiligt.

Die SPD setzt sich dafür ein, dass dieses Engagement solange wie nötig fortgesetzt wird.

Darüber hinaus wird es darum gehen, Angebote zu unterbreiten, die dazu geeignet sind, dass Schüler:innen nachholen können, was in den letzten Monaten verpasst wurde. Das bedeutet, um nur ganz wenige Beispiele zu nennen, für Kinder Fahrrad- und Schwimmkurse vermehrt anzubieten oder das bedeutet, zum Beispiel Jugendliche, die eine Ausbildungsstelle suchen, besonders zu unterstützen. Allerdings sind die Kommunen nicht für die Unterrichtsinhalte und die Abschlussprüfungen zuständig.

Die Pandemie hat auch gezeigt, wie wichtig bauliche Voraussetzungen sind. Es braucht in allen Klassenräumen Fenster, die geöffnet werden können, Lüftungsanlagen, die mit Außenluft funktionieren, dezentrale Waschbecken in den Unterrichtsbereichen etc. Wir achten darauf, dass dies wird bei allen Sanierungsvorhaben beachtet wird.

Natürlich spielt auch eine gute IT-Infrastruktur eine wichtige Rolle, die im Rahmen des Digital-Paktes an den Schulen geschaffen werden kann. Hier wird Wlan flächendeckend installiert und Schulen erhalten die Ausstattung, die für digitalisiertes Lernen in der Schule notwendig sind.

FDP:

Veranstaltungen mit ausreichendem Hygienekonzept sollen möglich sein

Leider wurden in der Vergangenheit unsere Forderungen nach einer echten Digitalisierungsoffensive in den Schulen weitestgehend ignoriert, sodass die mangelhafte digitale Infrastruktur den Schülerinnen und Schüler massiv auf die Füße gefallen ist. Hier muss dringend nachgesteuert werden. Digitalisierung bedeutet mehr als die Anschaffung von Tablets. Dieses Grundverständnis ist leider bei der aktuellen Koalition aus SPD, CDU und Grünen ersichtlich nicht vorhanden. Neben der Digitalisierungsoffensive bedarf es nun auch kurzfristiger besserer Schutzkonzepte, die dem Gesundheitsschutz von Lehrern und Schülern gleichermaßen Rechnung tragen, ohne das Recht auf Bildung zu vernachlässigen. Hierzu zählen Wechselmodelle genauso wie die bauliche Ertüchtigung der Schulgebäude und die Anschaffung von Luftfiltern. Dabei brauchen die jeweiligen Schulleitungen den nötigen Gestaltungsspielraum, da sie vor Ort die Situation am besten bewerten können und so die nötigen Maßnahmen benennen können, die dann durch die Stadt als Schulträger umgesetzt werden müssen. Soweit nötig, sollten Schülerinnen und Schüler auch mit FFP2-Masken ausgestattet werden.
Auch kulturelle Veranstaltungen müssen unter Einhaltung entsprechender Hygienekonzepte und unter Beachtung des tatsächlichen Infektionsgeschehens vor Ort wieder möglich werden. Durch die Begrenzung der Teilnehmerzahl, FFP2-Maskenpflicht und Abstandsregelungen lässt sich das Infektionsrisiko auf ein Minimum reduzieren. Dieser Umstand macht aktuell den Total-Lockdown unverhältnismäßig. Ziel muss sein, gesellschaftliches, wirtschaftliches und kulturelles Leben wieder möglich zu machen, ohne die Gefahren des Corona-Virus zu verharmlosen.

FW:

Ausstattung mit digitalen Endgeräten

Schulbusverkehr so optimieren, dass weniger Schülerinnen und Schüler in einem Bus sind, Lüftungsgeräte vor allem für Räume, in denen Lüftung nur schwer möglich ist, für Sekundarstufen: Ausstattung von (sozial schwachen) Schülerinnen und Schülern mit digitalen Endgeräten, damit diese am Fernunterricht teilnehmen können.

Schwer zu realisieren: zur Verfügung stellen von zusätzlichen Räumen auch außerhalb der Schulen und auch mehr Personal, damit Präsenzunterricht in kleineren Gruppen stattfinden kann.

Kultur ist schwierig: wenn es wärmer wird Veranstaltungen im Freien oder unter optimalen Hygienebedingungen.

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