Stadtschülerrat Giessen

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Ordentliche, konstituierende Stadtschülerratssitzung (öffentlich) am 06.10.2017 von 11:00 Uhr bis 13:30 Uhr im Stadtverordnetensitzungsaal des Rathauses, Berliner Platz 1, 35390 Gießen. Einladung: http://ssr-giessen.de/news.php?id=107


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"Problemlösung statt Parteipolitik "

Veröffentlicht von Gießener Allgemeine Zeitung am 26.11.2016

Neuer Stadtschülerrat setzt auf pragmatisches Handeln – Offenes W-Lan und saubere Toiletten.

Gießen (pd). Im vergangenen Jahrhundert gehörte der Protest junger Leute gegen »die da oben« fast zum guten Ton. Das ist bei der aktuellen Schülergeneration ganz anders. »Wir suchen nicht die Konfrontation, wir sind auf Kooperationskurs«, sagen Johannes Bock, Luca Manns und Linda Braun im Gespräch mit der Gießener Allgemeinen Zeitung. Das Trio verkörpert die Spitze des vor Kurzem gewählten Stadtschülerrats (SSR), dessen Vorstand aus insgesamt zwölf Schülern besteht. Die Strategie der Zusammenarbeit mit den politisch Verantwortlichen macht sich offenbar bezahlt. »Wir kriegen Räume im Rathaus und erhalten Unterstützung bei der Finanzierung unserer Veranstaltungen«, berichtet Stadtschulsprecher Johannes Bock. Die drei widersprechen jedoch energisch, wenn jemand versucht, sie in die Ecke angepasster Ja-Sager zu stellen. »Wir sind politisch aktiv, aber nicht parteipolitisch«, unterstreicht Luca Manns. Tatsächlich gehört keiner der drei Oberstufenschüler der Nachwuchsorganisation einer politischen Partei an. »Wir halten uns aus der Parteipolitik raus«, erklärt Linda Braun.
Das bedeute aber nicht, dass der Stadtschülerrat seine Meinung nicht artikuliert, ergänzt die 18-jährige Schülerin der Gesamtschule Gießen-Ost. So ist der Stadtschülerrat Mitglied im »Bündnis für Vielfalt gegen Rassismus« und hat im Sommer eine Podiumsdiskussion zum Thema Rechtsextremismus veranstaltet. »Wir beziehen Stellung gegen Ausgrenzung und versuchen, die Werte des Grundgesetzes und Fragen der Würde zu thematisieren«, sagt Manns. Auch bei der Debatte um den neuen Lehrplan für Sexualkunde hat sich der Stadtschülerrat positioniert. Dass der Landeselternbeirat die vom Kultusministerium vorgebene Linie der Akzeptanz sexueller Vielfalt abgelehnt hat, bezeichnet das Gremium als »inkompetent«.

Für »digitales Klassenzimmer«

Ansonsten orientieren sich die gewählten Vertreter der rund 16 000 Gießener Schüler an Sachthemen und deren Lösungen. Schließlich schätzt der SSR die den Großteil seiner Mitschüler als politisch neutral ein. »Die meisten fühlen sich weder dem rechten noch dem linken Rand zugehörig.«
»Wenn es an einer Schule Probleme mit den Toiletten gibt, versuchen wir nicht, das Ganze einer Partei in die Schuhe zu schieben«, verdeutlicht Ostschüler Bock, dass der SSR seine Aktivitäten auf Themen konzentriert, von denen Mitschüler direkt betroffen sind. Das sind außer dem Dauerbrenner Toiletten immer wieder auch überfüllte Schulbusse. Derzeit versucht man die Stadtwerke davon zu überzeugen, dass der Einsatz von Gelenkbussen die Transportsituation am Landgraf-Ludwigs-Gymnasium deutlich entspannen würde.
Viel entspannter als so mancher Lehrer sieht der Stadtschülerrat zudem die Nutzung digitaler Medien im Unterricht. Daran, dass das »digitale Klassenzimmer« das Modell der Zukunft ist, hegen die drei Vorstandsmitglieder keinen Zweifel. Zwar sei die Anschaffung elektronischer Medien zunächst teuer, auf Dauer rentiere sich eine solche Investition jedoch. »Allein die Papierkosten erreichen an manchen Schulen schwindelerregende Höhen«, gibt Bock zu bedenken.
Auch bei der Handynutzung fordert der SSR eine liberale Handhabung. Dass das Smartphone im Unterricht nur nach Aufforderung des Lehrers eingeschaltet werden darf, ist für die drei selbstverständlich. In den Pausen sollte das Handy aber zumindest von älteren Schülern genutzt werden dürfen. »In der Oberstufe sollte das selbstverständlich sein«, findet Liebigschüler Manns. »Einfach einsammeln wird den heutigen Anforderungen nicht mehr gerecht.« Nicht einsehen will der SSR zudem, dass Schüler in Gießen ihre private Datenkapazität für Unterrichtszwecke opfern. »Offenes W-Lan wäre an Schulen sehr begrüßenswert.«
Grundsätzlich positiv sehen die Schülervertreter auch die Angebotsvielfalt an Gießener Schulen. Wichtig sei, dass die Durchlässigkeit nach oben gewährleistet sei und dass Schüler sich nicht zu früh auf eine Schulform festlegen müssten. Deshalb begrüßt der SSR auch die Tatsache, dass es die reine Hauptschule in Hessen künftig nicht mehr geben wird.
»Wir stehen auf der Seite der Schüler«, bekräftigt das Vorstandstrio. Dieses Engagement beginnt bei den erwähnten Sachthemen und setzt sich fort bis zur Beratung und Unterstützung von Schülervertretungen an den einzelnen Schulen. »Wenn die SV Schwierigkeiten bekommt, weil der Schulleiter eine besonders harte Linie fährt, dann helfen wir«, nennt Bock ein Beispiel. Im vergangenen Jahr hat der Stadtschülerrat erstmals alle neuen Schulsprecher in eine Jugendherberge eingeladen und ihnen dort ein Coaching angeboten.