Stadtschülerrat Giessen

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SSR Gießen zur LSV-Forderung: "Keine Hausaufgaben"

Veröffentlicht von Gießener Anzeiger am 23.06.2016

Der Gießener Anzeiger berichtet über verschiedene Stimmen zur Forderung der Hessischen Landesschülervertretung (LSV), Hausaufgaben gänzlich abschaffen. Der Stadtschülerrat der Universitätsstadt teilt die Auffassung der LSV, dass Hausaufgaben insbesondere unter sozialen Aspekten problematisch sind, ist jedoch in seinen Lösungs-Ansätzen differenzierter als die Landes-Vertretung, welche zur vollständigen Abschaffung keine Alternativen skizziert.

GIESSEN - Hausaufgaben abschaffen? Das fordern bereits Generationen von Schülern. Die Landesschülervertretung hat dem nun vor dem Kultusministerium mit einer Kundgebung Nachdruck verliehen. Ihr Argument: Schüler aus sozial schwachen Familien haben weniger Möglichkeiten, sich unterstützen zu lassen. "Viele Eltern können sich teuren Nachhilfeunterricht nicht leisten", sagt Luca Manns. Der 17-Jährige besucht die Liebigschule, ist zudem stellvertretender Stadtschulsprecher und Vorstandsmitglied der Landesschülervertretung. Der Stadtschülerrat sehe das Thema aber ein wenig differenzierter, so Manns. Zwar seien Hausaufgaben in ihrer jetzigen Form nicht zielführend, "aber wir verstehen, wenn Lehrer sagen, dass sie ohne Hausaufgaben den Unterrichtsstoff nicht abarbeiten können". Welche Alternativen es gibt, wolle die Schülervertretung nun eruieren. Man könnte etwa nach dem Vorbild vieler Ganztagsschulen den Unterrichtsstoff bereits in der Schule vor- und nachbereiten.

Die Ideen sind unter Gießener Schülern und Eltern nicht unumstritten. Fatime Shadrad, deren Enkel zur Gesamtschule Gießen-Ost geht, begrüßt die Forderungen. "Denn die Kinder kriegen zu viele Hausaufgaben auf." Vor Klausuren bleibe oft keine Zeit, sich auf ein bestimmtes Fach zu konzentrieren. Und viele Eltern hätten nicht die Möglichkeit, ihrem Nachwuchs zu helfen. "Es wäre doch besser, wenn die Kinder ihre Hausaufgaben in der Schule machen." Eine andere Großmutter, deren Enkelin an der Korczak-Schule unterrichtet wird, ist dagegen unschlüssig. Es gebe durchaus Familien, die sich keine Nachhilfe leisten könnten. Für diese sollte es eine Hausaufgabenbetreuung an Schulen geben, nur eben nicht verpflichtend für alle. Dann fügt sie noch hinzu: "Ich habe zwei Enkelkinder in Norddeutschland, die kriegen überhaupt keine Hausaufgaben auf und ich muss sagen, das gefällt mir auch." Die Kinder hätten, obwohl sie mehr Zeit in der Schule verbringen, mehr Freizeit.

Auch viele Schüler begegnen dem Vorstoß der Schülervertretung mit Vorbehalten. "Hausaufgaben sind wichtig, um den Stoff zu vertiefen. Abschaffen kann man sie nicht", sagt Nils (15) von der GGO. Und die 14-jährige Sophie glaubt, dass Schüler durch verpflichtende Hausaufgabenbetreuung an Flexibilität einbüßen. "Ich will das selbst planen können, wann ich meine Hausaufgaben mache."

An vielen Gießener Schulen sind die Forderungen der Landesschülervertretung bereits gängige Praxis. "Es gibt meines Wissens keine Schule, die nicht in irgendeiner Form eine Hausaufgabenbetreuung anbietet", sagt Antje Mühlhans, Leiterin des Landgraf-Ludwigs-Gymnasiums (LLG). "Es geht darum, wann wo und in welcher Form die Übungsaufgaben - von Hausaufgaben will hier gar nicht sprechen - gemacht werden. Es geht nicht darum, sie ganz abzuschaffen." Ein Unterricht ganz ohne Übungen sei schließlich nicht möglich. Als sogenannte "Profil-eins-Schule" bietet das LLG eine Hausaufgabenbetreuung in der siebten und achten Stunde an. "In der Regel wird das in der fünften und sechsten Klasse sehr gut wahrgenommen, danach lässt es aber nach."

"Ich denke, Hausaufgaben sind sinnvoll, wenn sie in den Unterricht eingebettet sind", meint auch der Schulleiter der "Lio", Dirk Hölscher. Dort gibt es neben der Hausaufgabenbetreuung für Kinder der Nachmittagsbetreuung auch Förderunterricht für Schüler mit besonderem Nachholbedarf, sowie die Aktion "Schüler helfen Schülern". "Wir achten aber auch darauf, es mit den Hausaufgaben generell nicht zu übertreiben." Lehrer würden sich absprechen, sodass die Belastung nur in Ausnahmefällen außergewöhnlich hoch ausfalle. Und Hölscher ist überzeugt: "Wir gehen an der Schule ganz vernünftig damit um."

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Den Original-Artikel finden Sie unter: http://www.giessener-anzeiger.de/lokales/stadt-giessen/nachrichten-giessen/keine-hausaufgaben_17014997.htm "Keine Hausaufgaben?" (Harun Atmaca, Gießener Anzeiger, 23.06.2016)
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