Archive Mai 2017

„Gießens SchülerInnen leben Europa! – Erfolgreiche Europadebatte des Stadtschülerrates in Großem Saal der Kongresshalle

„Sie alle sind Europa“ machte Stadtschulsprecher Johannes Bock schon zu Beginn der Europadebatte des Gießener Stadtschülerrates (SSR) klar, die im Rahmen der Europawoche erstmals durchgeführt wurde.
Nachdem Organisator und Vize-Sprecher Luca Manns am Donnerstag Morgen gegen 9.00 Uhr weit über 200 Schülerinnen und Schüler im Großen Saal der Kongresshalle begrüßen durfte, wiesen in Grußworten Bock und Stadträtin Eibelshäuser als Schirmherrin der Veranstaltung auf die Wichtigkeit europäischer Gemeinschaft und deren Zukunft hin. Eibelshäuser rief zudem die Jugendlichen auf, sich aktiv zu engagieren und für Europa einzusetzen; so könne und solle man „beispielsweise auch Mal für statt immer nur gegen etwas auf die Straße gehen, nämlich im konkreten Fall für Europa“.

Damit bezog sich die Schuldezernentin auf die Bewegung Pulse of Europe, die allwöchentlich zigtausende Menschen für Europa auf Marktplätze in der ganzen Union bringt, um zu zeigen, dass auch in Zeiten herausfordernder Ereignisse wie dem Brexit oder fortschreitendem Populismus ein Engagement möglich und nötig ist. Mit dem Gießener Organisator, Tevin Pettis, kam Moderator Manns daraufhin in ein Podiumsgespräch, an dem auch der Martin Schulz-Nachfolger als SPD-Parteibeauftragter für Europa, Frankfurts EU-Parlamentarier Dr. Udo Bullmann teilnahm. Im Verlauf zeigte sich, dass beide aus ganz unterschiedlichen, persönlichen Perspektiven heraus an eine Zukunft Europas glauben, wenn – wie Bullmann sagte – „die jungen Menschen hier im Saal dafür einstehen“. Pettis erläuterte diesbezüglich nicht nur die Motivation der Vereins Pulse of Europe, nämlich konstruktiv-kritisch das Fortentwickeln der EU zu betrachten anstatt Dauerkritik zu üben, sondern führte auch aus, wie er selbst als Student erlebt habe, dass das Einbringen für Europa entscheidend sei. Europapolitiker Bullmann nahm daraufhin nicht nur Stellung zu Fehlern und Krisen der Europäischen Union und ihrer Mitgliedsstaaten, sondern erläuterte auch beispielhaft, wieso das Image der Europäischen Union vielerorts leide: „Wenn Regierungschefs immer bei Regelungen mit Nachteil für ihren Staat sagen, Brüssel habe es quasi auferlegt, bei allen positiven Errungenschaften die Nationalstaatler dies aber angeblich den Europäischen Institutionen erst abringen mussten, ist klar, dass das Bild in Schieflage gerät“. Bullmann, der unter anderem auch ausführte, welch verheerende Auswirkungen aus seiner Sicht das etwa durch die Sparpolitik des Bundesfinanzministeriums entstandene Bild Deutschlands als bremsende und regulierende „leeding power“ in Europa habe. Beide Teilnehmer des ruhigen Podiumsgesprächs zeigten sich jedoch überzeugt, dass Europa trotz allem und Deutschland in dessen Rahmen Zukunft habe und weiterhin bestehen könne und werde.

Darauf war zuvor in seiner Hauptrede bereits der Staatsminister bei der Bundeskanzlerin, Prof. Dr. Helge Braun, eingegangen. Seine anekdotenreiche Rede begann Braun damit zu berichten, dass er – vor vielen Jahren frisch in den Bundestag gewählt – eines Abends mit anderen Jungparlamentariern zusammengesessen habe, als Altbundeskanzler Helmut Kohl auf die Gruppe zugegangen sei und gesagt habe, diese seien „jetzt an der Reihe“ und könnten „mit Deutschland alles machen“, jedoch sollten sie um jeden Preis Europas Einigkeit wahren, weil nichts wertvoller sei als der Frieden zwischen den jahrhundertelangen Feinden. Beeindruckt von diesen Worten habe der heutige Vize-Chef des Kanzleramtes zwar viel darüber nachgedacht, bald sei es jedoch in den Hintergrund gerückt und von vielen Konflikten überlagert worden. So schilderte Braun nicht nur wie später auch Bullmann das unfaire Spiel mancher Akteure, negative Entscheidungen zunehmend auf Brüssel abzuwälzen oder sich über vermeintlich kuriose Verordnungen der Kommission ohne Kenntnis deren wirklichen Hintergrundes zu empören, sondern sprach auch mit Blick auf seine Rolle als Flüchtlingskoordinator der Bundesregierung sehr ernsthaft über den Versuch europäischer Flüchtlingsverteilung im vergangenen Krisenjahr. Dabei ermahnte er jedoch auch, dass nicht jedes Land wie Deutschland stark und mit eintretendem Fachkräftemangel, sondern, wie etwa Spanien, mit einer hohen, in diesem Falle vierzig prozentigen, Jugendarbeitslosigkeit darstehe. Braun schloss daher mit der Erkenntnis, dass Europa oft mühsam und kompliziert, jedoch keineswegs obsolet oder gar schädlich sei. Vielmehr sichere es seit mehr als 70 Jahren einen Frieden, den etwa die geopolitisch nicht weit entfernte Ukraine keineswegs mehr genießen könne. Die Zukunft Europas zu gestalten, sei nun Aufgabe auch der anwesenden Jugendlichen.

Anschließend traten die Schülerinnen und Schüler verschiedener Gießener Schulen selbst in die Diskussion ein: An 24 Gruppentischen standen je ein Moderator oder eine Moderatorin des SSR bereit, um zu acht verschiedenen Fragestellungen, die die Schülervertreter vorab als spannende oder drängende Themen ausgewählt hatten, nach einer kurzen Einführung Diskussionen zu ermöglichen. Unter anderem ging es die deutsche Führungsrolle und deren Berechtigung in Europa, die wirtschaftliche Schieflage zwischen den Unions-Mitgliedsstaaten, jene geschilderte und schwierige Flüchtlingsbewältigung innerhalb der EU, aber auch um konkrete Punkte wie die Einführung eines free-Interrail-Tickets, das lange für alle 18-jährigen Unionsbürger im Gespräch war, oder die Frage, ob man sich als Deutscher bzw. Deutsche oder eher schon als Europäer/in fühle.

Nachdem rund zwei Stunden später alle Teilnehmenden auch zu jedem Themenkomplex diskutieren konnten, endete die Veranstaltung mit einer Feedbackrunde, in der neben einigen Wünschen für eventuelle Wiederholungen vor allem Lob und Anerkennung für die wichtige Arbeit des Stadtschülerrates ausgedrückt wurden. Und so war es schlussendlich Stadtschulsprecher Bock auch ein Anliegen, allen Moderatorinnen und Moderatoren für die Tischgesprächsleitungen, der Schuldezernentin und ihrem Büro für die Buchung und Planung der Räumlichkeiten und des Veranstaltungsablaufes sowie weiteren Abteilungen der Stadtverwaltung etwa wie dem Hausmeiterkräfte stellenden Hauptamt oder der Mobiliar entleihenden Stadtbibliothek, vor allem aber auch dem Moderator und Organisator Luca Manns für „die viele, viele Arbeit“ zu danken. Manns sagte anschließend, dass spätestens als ihm von einem Gespräch zweier junger Teilnehmerinnen berichtet worden sei, die sich gegenseitig erklärten, im Rahmen der Veranstaltung mehr zu Europa als im gesamten Verlauf der Schulbildung gelernt zu haben, sich die Planung und Durchführung mehr als gelohnt habe.

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Am Donnerstag, den 11. Mai 2017

Gepostet von Stadtschülerrat Gießen am Donnerstag, 11. Mai 2017

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„Grundsätzlich unbenutzbar!“

Verdreckt und ekelhaft: Beim Thema Schultoiletten gibt es selten zwei Meinungen. Neben einem Gießener Mediziner und Vertreter nder Stadt äußert sich auch der Stadtschülerrat sich zum Thema.
Die Wände sind verschmiert, die Bodenfliesen versifft. In der Ecke liegen leere Papierrollen herum und Reste vom Pausenbrot. Es stinkt und es ist kalt. Häufig sind auch Waschbecken oder Sitzbrillen beschädigt, oft fehlen Papier und Seife. Schultoiletten sind keine Wohlfühloasen. Das weiß jeder. Es ist kein Wunder, dass viele Schüler die stillen Örtchen meiden, wenn sie können. Der Stadtschülerrat hat den Zustand der sanitären Anlagen an Gießener Schulen vor Kurzem unter die Lupe genommen und Beispiele genannt, wo Sanierungs- oder zumindest erhöhter Reinigungsbedarf besteht. „Die meisten Toiletten sind nach 11 Uhr nicht mehr nutzbar“, erklärt Luca Manns. Der stellvertretende Stadtschulsprecher sagt das ohne Vorwurf in der Stimme. „Wenn 100 junge Leute eine Toilette nutzen müssen, kann man nichts anderes erwarten.“ Zum Zustand der Schultoiletten haben Gießener Schulsprecher am Ende des ersten Halbjahrs ein Gespräch mit Schuldezernentin Astrid Eibelshäuser geführt. Ihr Fazit: „Die Stadt tut, was sie kann.“ Aber das reicht nicht!

Mit einer Reinigung täglich sei es oft nicht getan, sagt Manns, der selbst die Liebigschule besucht. Zwar hätten Schüler längst nicht den Anspruch, den beispielsweise Mitarbeiter einer Verwaltung hätten. Dennoch lasse der Zustand vieler sanitärer Anlagen nur einen Schluss zu: grundsätzlich unbenutzbar.

Die Schulen bekommen das Problem seit vielen Jahren kaum in den Griff. Gegenmaßnahmen laufen ins Leere. An manchen Schulen müssten Jugendliche den Toilettenschlüssel im Sekretariat holen, nennt Manns Beispiele, wie man versucht, wenigstens etwas Kontrolle über die Situation zu erlangen. Für den Zustand der Toiletten seien in erster Linie die Schüler selbst verantwortlich. „Da gibt es Zerstörungen, Schmierereien, Sprüche und schmutzige Hinterlassenschaften.“

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Dies ist nur ein Ausschnitt aus dem umfangreichen Text. Die Fortsetzung und
den gesamten Artikel finden Sie auch auf der Website der Gießener Allgemeinen:
https://www.giessener-allgemeine.de/regional/stadtgiessen/art71,250926
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